Loslassen und loslegen

Puh. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl auf dem Uni Pitch 2016. Das erste Mal war ich wirklich nur Gast und hatte keine aktive Rolle. Zugegeben, an diesen Zustand musste ich mich anfangs noch gewöhnen. Im Laufe des Nachmittags konnte ich aber komplett loslassen und das Programm genießen. Mein Nachfolger Dr. Christian Salzmann wird seine Sache super machen und das Team des Startup Dock kam ohne meinen Senf schon immer bestens klar. Sind ja auch Top-Leute!

Loslassen

Das ist ein gutes Stichwort. Auch wenn die Stimmung auf den Gründer-Events stets locker und entspannt wirkt, sind es die angehenden Gründer oft ganz und gar nicht. Fragt man konkret nach deren Geschäftsideen, antworten viele ausweichend, unsicher und verklausuliert. Klar, pitchen muss man üben, üben und üben. Der Uni Pitch ist dafür ja auch die perfekte Veranstaltung – das meint auch Hamburg Startups im sehr schönen Nachbericht.

Oft liegt die Unsicherheit der Gründer aber nicht an der fehlenden „Pitch-Erfahrung“. Das Problem liegt tiefer.

Interessiert oder leidenschaftlich?

Gründern merkt man es sehr schnell an, ob sie an ihrer Geschäftsidee lediglich interessiert oder komplett von ihr überzeugt sind. Die Qualität der Geschäftsidee ist zunächst zweitrangig – entscheidend ist die eigene Einstellung zum Konzept.

Wenn mir jemand sein Geschäftskonzept vorstellt, mich mit leeren Augen anschaut, irgendwelche Buzzwords hintereinander reiht und dafür auch noch 10 Minuten braucht, hat schon verloren. Da kann die Idee noch so einzigartig sein. Das Interesse am Gegenüber ist schnell verloren und man ist gedanklich schon woanders.

Um Ideen wirklich gut umzusetzen, muss man dafür brennen! Das ist ausschlaggebender als die Qualität der Idee. Die ist natürlich auch sehr wichtig für den späteren Erfolg, aber wenn du dieses Kribbeln nicht selber spürst – wie soll es dein Gegenüber spüren? Schließlich werden Emotionen vom Sender auf den Empfänger übertragen (siehe Elaine Hatfield, Emotional Contagion, 1994).

Viele vergessen dies und lassen sich auf Themen ein, die nicht perfekt zu ihrer eigenen Persönlichkeit passen. Auf Dauer bleibt die Begeisterung dann auf der Strecke. Das gilt natürlich nicht nur für Gründer sondern auch für alle Angestellten – und natürlich auch für alle Arten von Beziehungen. Macht man nicht das was man liebt, strahlt man das aus.

Mache das was du liebst

Das ist meine uneingeschränkte Empfehlung. Natürlich ist dies nicht für jeden sofort umsetzbar, aber es lohnt sich daran zu arbeiten 🙂

Credit: Autaak Media, http://www.autaak.de
Credit: Autaak Media, http://www.autaak.de

Wem mein Geschwafel zu oberflächlich ist und sich noch tiefer in die Thematik einarbeiten möchte, empfehle ich den Blog The Plant von Alex und Christian. Dort gibt es auch einige Online-Kurse von der Ideenfindung bis zum Markttest. Das neue E-Book von Thorsten Kucklick (Der Geschäftsmodell-Fahrplan) finde ich auch sehr inspirierend, da es die Gründerpersönlichkeit in den Mittelpunkt stellt und schön geschrieben ist.

Die vier Pitch-Finalisten beim Uni Pitch haben ihre Sache übrigens sehr gut gemacht. Allen habe ich ihre Liebe zum eigenen Geschäftskonzept uneingeschränkt abgenommen. Herzlichen Glückwunsch an alle!

Mein Kompliment geht natürlich auch an die Vertreter der Hamburger Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die den Uni Pitch veranstalten. Das war mal wieder großes Tennis!

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