Papa Business (1) – Schlafen ist für Anfänger!

Dieses Blog dient bekanntermaßen dazu, dass ich Gedanken zu Themen aufschreibe, die mich gerade beschäftigen. Da darf ein Thema natürlich nicht fehlen: Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Na dann mal los…

Papa von zwei zauberhaften kleinen Jungs, Ehemann einer tollen Frau und Unternehmer. Hätte man mir vor vier Jahren gesagt, wie anstrengend es sein wird, das alles unter einen Hut zu bringen – ich hätte es nicht geglaubt. Oder nicht zugehört. Oder nur müde gelächelt. Oder beides. Das ist ja auch verständlich, denn wenn man sich selbst nicht in einer ähnlichen Lebenssituation befindet, kann man diese temporären aber regelmäßig auftretenden Erschöpfungsaufstände auch gar nicht begreifen. Das ist mit Blick auf die demografischen Gegebenheiten in unserem Lande auch sehr sinnvoll von der Natur eingerichtet.

4:38 Uhr – Aufstehen!

Diese Verwirrtheit, wenn man um 4:38 Uhr vom Dreijährigen geweckt wird und er Stein auf Bein schwört, es sei schon hell und man müsste jetzt SOFORT in die Kita, um als Erster am Frühstückstisch zu sitzen. Selbstverständlich schafft man es als hochkompetent-überzeugender Übervater, den Kurzen nach 40 Minuten vom Gegenteil zu überzeugen. Der schläft dann auch wieder ein. Der Einjährige wacht hingegen aus einem Traum auf und schreit das gesamte Haus zusammen. Mit einem Hechtsprung ist man im Kinderzimmer und schunkelt den kleinen Pupser wieder ins Land der Träume – schließlich soll die bessere Hälfte nicht aufwachen.

Das Ganze geht auch eine halbe Stunde gut. Bis zum nächsten Traum und dem wie selbstverständlich folgenden Schreianfall. Der Große wird davon natürlich auch wach. Na gut, also beide auf den Arm und ab zu Papa auf die Couch.

Das sind dann die wunderbaren Momente.

Wenn sich beide an einen herankuscheln und man spürt, dass man hemmungslos gebraucht und geliebt wird. Herrlich! Nur leider viel zu kurz. Um 5:30 Uhr wird es tatsächlich hell und die Papa-Argumente schwinden. Man könnte jetzt ein Machtwort sprechen, aber die richtigen Worte wollen so früh einfach nicht raus. Hmm. Na dann eben ab unter die Dusche und die Jungs anziehen. Nacheinander natürlich, denn als der Große mitbekommt, dass der Kleine von Papa umsorgt wird, kann er plötzlich gar nichts mehr. Zack – und schon sind beide auf dem Niveau eines sabbernden Einjährigen. Egal. Schließlich haben wir noch eine Menge Zeit bis zur Kita.

Haferschleim für alle

Die nutzen wir, um alle mit einer kulinarischen Komposition aus vier Getreidesorten und Bio-Apfelmark einzuschmieren. Inklusive Papa, der mal wieder so dumm war und das Hemd vor der Raubtierfütterung angezogen hat. Anfängerfehler. Gesprenkeltes grau auf weiß kommt nicht so gut – also wieder umziehen. Den Großen auch, denn der hat mittlerweile das Glas mit Orangensaft auf seinem Schoß verteilt. Beim Kleinen ist es egal, denn er geht noch nicht in die Kita und darf sich bei Mami noch weiter einsauen.

Es wird eng

Oh. Habe ich den Großen wirklich gerade ins Kinderzimmer geschickt, damit er sich selbst anzieht? Mist. Schon wieder ein Anfängerfehler. Es ist aber auch früh heute. War früh, denn mittlerweile ist es halb acht. In einer halben Stunde sitzt das erste Kind am Kita-Frühstückstisch. Oaaaah, das gibt einen mittelschweren Tobsuchtanfall. Erster zu sein ist derzeit nämlich sehr angesagt unter den 3-Jährigen Kita-Rockern! Also ab ins Kinderzimmer und schauen, was der Typ so macht. Natürlich zieht er sich nicht an, sondern sitzt halbnackt auf dem Boden und durchforstet irgendein Bilderbuch.

Aaaanziiieeehn. Bitte. Aaaaaanzieeeeehn. Los jetzt – mach schon! Ich mache Druck. Das wiederum wird mit einer diffizilen Fragenkette ausgekontert. „Papa, warum sind die Dinosaurier alle tot? Ist tot sein wie lange schlafen? Tut tot sein weh? Haben sich die Dinosaurier weh getan?“

Jaaa. Berechtigte Fragen. Ich gebe zu, für die Antwort muss ich schon ein wenig nachdenken. Das machen wir am Besten auf dem Weg zur Kita. Der Große ist auch sofort einverstanden und zieht sich an. Der Kleine hingegen merkt, dass Hektik aufkommt und fängt schon einmal vorsorglich an zu schreien. Kann ja nicht schaden.

Glücklicherweise ist die Mami schon fertig mit Duschen und kann die Heulboje übernehmen. Noch schnell die Zähne putzen und keine 30 Minuten später sind wir schon auf dem Weg in die Kita. Mittlerweile bin ich schon das zweite Mal durchgeschwitzt, während ich einen sich windenden Kleinwüchsigen mit dem Gewicht eines Bierkasten auf den Schultern trage. Der da oben freut sich wie Bolle, denn er kann schon seinen besten Freund von weitem sehen. Ich gebe Gas.

„Nicht so schnell, Papa.“, höre ich ihn sagen. „Guck mal die Blumen. Die sind schon gelb.“ Wir bleiben stehen und tatsächlich: Der Lenz ist da. Das hätte ich beinahe übersehen. Ein Glück, dass ich so einen weisen Jungen habe. Plötzlich scheint die Zeit stehen zu bleiben und wir lassen uns komplett auf den Moment ein. Gerade bin ich meinem Sohn aufrichtig dankbar. Der erste Termin im Büro? Kann ich sicherlich um 15 Minuten verschieben.

Um Kinder zu erziehen, muss man verstehen, Zeit zu verlieren, um Zeit zu gewinnen. (Jean-Jacques Rousseau)

Es gibt sicherlich bessere und ruhigere Zeiten mit mehr Schlaf. Aber das hier ist unsere. In diesem Sinne – auf die Familie!

2 Antworten auf „Papa Business (1) – Schlafen ist für Anfänger!“

Kommentar verfassen